Presse
Wendländische Presseagentur
Jochen Stay (ausgestrahlt):
»Das Bundesamt für Strahlenschutz erwartet für die Erkundung alternativer Standorte für ein Atommüll-Endlager Kosten von jeweils 400 Millionen Euro. In Gorleben wurde bisher mit 1,6 Milliarden bereits das Vierfache ausgegeben. Besser lässt sich nicht beweisen, dass in Gorleben nicht nur erkundet, sondern für Unsummen bereits ein Endlager ausgebaut wird – ohne das dafür nötige atomrechtliche Genehmigungsverfahren. Die Bundesregierung versucht Fakten zu schaffen und verhindert so einen objektiven Standortvergleich. Eine weitere Erkundung braucht es in Gorleben nicht mehr, denn es ist seit Jahrzehnten bekannt, warum der Salzstock geologisch nicht als Endlager taugt. Wer ihn trotzdem nicht aus dem Topf der möglichen Endlager-Standorte nimmt, zeigt damit deutlich, dass es ihm nicht um die Sicherheit der Bevölkerung, sondern um Durchsetzungsstrategien geht.«
Jan Becker (contrAtom):
»Schwarz/gelb wird genau wie mit verlängerten AKW-Laufzeiten auch an Gorleben scheitern. Wer den Bürgerwillen ignoriert, völlig unverhältnismäßige Polizeieinsätze zulässt und durch politisches Handeln eine Eskalation provoziert, der wird abgewählt! Wer weiter auf die Karte Gorleben setzt, den können wir nur warnen: die letzten Tage waren erst der Anfang. Wir sind im Recht, und dieses Recht müssen und werden wir durchsetzen. Letzlich mit weiteren Protesten auf der Straße. Es geht dabei absolut nicht um Gewalt, sondern den friedlichen, kreativen aber fest entschlossenen Widerstand einer Bevölkerung, die sich seit mehr als 30 Jahren gegen Durchsetzungspolitik zugunsten der Atomlobby widersetzt. Dabei erhalten wir Solidarität aus aller Welt. (zu: Röttgen setzt trotz Protesten weiter auf Gorleben)«
Tobias Riedl (Greenpeace):
»Dieser Rekord-Castorprotest ist Norbert Röttgens schwerste Niederlage. Die Menschen glauben ihm seine verlogene Atommüllpolitik nicht. Nur mit einem Ausstieg aus Gorleben wird der Umweltminister den Konflikt um die Endlagerung lösen können.«
Mathias Edler (Greenpeace):
»Es war ein Castortransport der Rekorde, Röttgens schwerste Niederlage. Einen weiteren Castortransport wird sich keine Regierung leisten können. (Abschluss-Pressekonferenz Trebel)«
Wolfgang Ehmke (BI Lüchow-Dannenberg):
»Der politische Druck, nun auch in der Endlagerdebatte und nicht nur in der Energiepolitik sich von Konzepten der 70er Jahre zu verabschieden, ist durch die Dauerproteste im Wendland gestiegen. Norbert Röttgen (CDU) bekommt nun eine Chance, zumindest mit einem Baustopp in Gorleben zu signalisieren.«
Jochen Stay (ausgestrahlt):
»Dort, wo es rund um den Castor-Transport eine Eskalation und Gewalt gab, müssen die Ursachen genau aufgearbeitet werden. Denn jeder Verletzte, egal auf welcher Seite, ist einer zu viel. Außerdem führt die Eskalation zu einem verzerrten Bild der Protestbewegung und ihrer Anliegen. An dieser Stelle tragen viele Beteiligte Verantwortung: Zum einen diejenigen, die sich nicht an die klare Verabredung der Anti-Atom-Initiativen gehalten haben, dass bei Aktionen gegen den Castor-Transport keine Menschen zu Schaden kommen sollen. Vor allem aber die Polizei, die in vielen Situationen klar Auslöser von Eskalation war. Aber auch einzelne Medien sollten überdenken, in welchem Ausmaß sie welche Teile des Geschehens rund um den Castor darstellen. Der breite kreative Protest und die damit verbundenden ernsthaften Anliegen kam in manchen Darstellungen zu kurz.«
Johanna Siemssen (Legal-Team):
»Die Einsatzkräfte der Polizei vor Ort missachteten die Rechte von Journalistinnen und Journalisten in mehreren Fällen. Presseausweise wurden vielfach nicht akzeptiert. Berichterstatter in ihrer Bewegungsfreiheit massiv behindert und teilweise auch gewalttätig attackiert. Über die gesamte Zeit des Castortransports wurde das Grundrecht auf Pressefreiheit mit Füßen getreten.«
Martin Lemke (Legal-Team):
»Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte des Legal-Teams wurden mehrfach von Polizeieinheiten daran gehindert, ihre Schutzfunktion für die CASTOR Gegner vor Ort wahrzunehmen. Es ist eine rechtsstaatliche Selbstverständlichkeit, dass Demonstranten sich bei Aktionen und auch bei Ingewahrsamnahmen eines Anwaltes ihrer Wahl bedienen können.«
Legal-Team (Legal-Team):
»Weil die Polizeitaktik gegenüber dem massenhaften Protest erkennbar erfolglos blieb, bestimmten vielfach Gewalt und Willkür das polizeiliche Handeln. Die mehr als 140 Verletzten, von denen etwa Zweidrittel durch Schlagstock- und Reizgaseinsätze zu Schaden kamen, belegen, dass die Polizei immer dann, wenn sie ihr Ziel nicht mit legitimen Mitteln erreichen konnte, mit gewalttätiger Eskalation reagierte. Nicht hinnehmbar ist, dass seitens der Polizeiführung selbst schwere Verletzungen von Protestierenden in Kauf genommen werden, um den Castortransport schnell ans Ziel zu bringen.«
Jan Becker (contrAtom):
»Die vergangenen Tage sprechen eine deutliche Sprache: Castortransporte ins Wendland sind politisch nicht mehr durchsetzbar, sondern nur noch mit massiver Polizeigewalt. Jetzt muss das absolute Ende für die Endlagerpläne in Gorleben verkündet werden. Nach der Polizei wird die Politik kapitulieren!«
Wolfgang Ehmke (BI Lüchow-Dannenberg):
»Wir haben uns bemüht, ein differenziertes Bild zu zeichnen, wenn wir nach der Bewertung des Polizeieinsatzes gefragt wurden, müssen dieses aber abschließend deutlich revidieren. Auf der letzten Etappe zeigt die Polizei eine unglaubliche Härte, so als gäbe es eine offene Rechnung mit Demonstranten wegen der langen Transportzeit.«
Luise Neumann-Cosel (X-tausendmal quer):
»Die Polizei hat versucht, mit Gewalt unseren Willen zu brechen, sich dem Castor gewaltfrei in den Weg zu setzen. Anders als Polizeichef Friedrich Niehörster ankündigte, stand für die Polizei nicht die Gesundheit der Menschen im Vordergrund, sondern ein schnelles Freiräumen. Die 1.800 Blockierer blieben jederzeit besonnen und gewaltfrei. Nach 26,5 Stunden begann die Polizei um 16 Uhr mit der Räumung. Von der Gorleben-Seite aus räumte die niedersächsische Polizei von Anfang an überzogen und völlig unverhältnismäßig. Nur wenige Blockierer wurden getragen, den meisten wurden Schmerzen zugefügt, damit sie selbst von der Straße gehen: Griffe in die Augen, Verdrehen von Handgelenk, Nase, Arm oder Fingern. Bundespolizisten warfen Aktivisten über einen 1,20 Meter hohen Zaun. Mehrere Verletzte wurden den Sanitätern übergeben mit Verdacht auf Rippen-, Arm- und Nasenbrüche. Es wurden mindestens 60 Quetschungen und Prellungen gezählt.«
Jochen Stay (ausgestrahlt):
»Wir Atomkraftgegner freuen uns nicht, wenn unsere Warnungen wahr werden, aber leider lagen wir meist richtig. Von Fukushima bis zur Asse wird deutlich, was passiert, wenn die Risiken ausgeblendet werden. Mit unserem Protest gegen den Castor-Transport weisen wir auf die immensen Risiken einer Atommüll-Lagerung im maroden Salzstock von Gorleben hin. Es wäre endlich angebracht, vor der Katastrophe auf uns zu hören.«
Wolfgang Ehmke (BI Lüchow-Dannenberg):
»Alle reden von der Rekordzeit, die der Transport für die 1.200 Bahn- und die 20 Straßenkilometer gebraucht hat. Wir reden von den politischen Zielen des Protests. Die vielfältigen Störaktionen, Blockaden und die eindrucksvolle Großdemonstration sind nötig, um unseren Argumenten Gehör zu verschaffen. Aktionen und Argumente gehen Hand in Hand. Wir fordern die Aufgabe Gorlebens als Endlagerstandort, denn Gorleben steht für all die Fehler der 70er Jahre, in der auch das Asse-Desaster seinen Lauf nahm. Wir lehnen faule politische Kompromisse strikt ab. Alle Atomkraftwerke müssen und können sofort stillgelegt werden und die Atommülldebatte muss völlig neu geführt werden. Der Castor-Transport ist am Ende, wir noch lange nicht! (Abschlusserklärung)«
Luise Neumann-Cosel (X-tausendmal quer):
»Wir protestieren mit unserer gewaltfreien Sitzblockade entschieden gegen die Atomkraft und gegen die Fortsetzung der Gorleben-Erkundung. Die Stärke des Protests hat gezeigt, dass das Thema Atomenergie noch lange nicht durch ist. Wir vertrauen nicht darauf, dass die noch laufenden Atomkraftwerke tatsächlich abgeschaltet werden. Jeder Tag AKW-Betrieb ist einer zu viel - auch, weil immer weiter Atommüll produziert wird, für den es kein Endlager gibt. In Gorleben darf dieser Strahlenmüll nicht landen. Unsere Blockade ist bunt und kreativ, aber auch ernst, denn wir sitzen hier aus Sorge um unsere Zukunft und die unserer Nachkommen.«
Hauke Nissen (Widersetzen):
»Unsere Anwälte haben festgestellt, dass das Verfahren der Polizei in Harlingen illegal gewesen ist. Nachdem wir völlig durchnässt gewesen sind, hat die Polizei uns gehen lassen. (zu: Polizeikessel nach Sitzblockade, Pressekonferenz Dannenberg)«
Jochen Stay (ausgestrahlt):
»Wir mussten an manchen Stellen feststellen, dass die Polizei die Linie der Deeskalation verlassen hat. Das ist nicht unser Anliegen, aber wir können nur unseren Teil dazu beitragen, dass das so nicht passiert. (Pressekonferenz Dannenberg)«
Mathias Edler (Greenpeace):
»Es war ein Fehler der Politik, nicht auf uns zu hören. Wir wollen den Ausstieg aus Gorleben, der erste Schritt ist ein Stopp der Castortransporte. Das hier ist der Anfang vom Ende für den Standort Gorleben. Vor 1,5 Stunden ist es Aktivisten gelungen, eine der zwei Straßentransportstrecken mit einem Fahrzeug zu blockieren, in dem sich die Aktivisten so angekettet haben, dass das Fahrzeug nicht bewegt werden kann. (Pressekonferenz Dannenberg)«